LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Missbrauch-Prozess: Plädoyers der Verteidigung und Staatsanwaltschaft

Ein Ex-Lehrer aus Bissen steht in Luxemburg vor Gericht, weil er mindestens 16 minderjährige Kinder missbraucht haben soll. Der Angeklagte hatte unter anderem die Intimbereiche der minderjährigen Mädchen gefilmt. Bei ihm fand die Polizei massenweise Kinderpornos. Zudem gab es Genitalbilder von den Mädchen, die im Rahmen von Kinderfreizeiten aufgenommen wurden. Weil auf den Bildern nur die Unterleiber der Kinder zu sehen waren, ist anzunehmen, dass die Staatsanwaltschaft die Identität der anderen Mädchen nie ermitteln konnte. Seine Taten räumte der Lehrer nur zögerlich ein. Dass er die Mädchen gefilmt habe, bestreitet er nicht.

In seinem Plädoyer nahm Verteidiger Jean-Luc Gonner seinen Mandanten in Schutz. In zwei Fällen würde die Staatsanwaltschaft seinem Mandanten Unzucht vorwerfen. Der Anwalt war formell, es würde nicht stimmen, sein Mandant hätte sie nur gefilmt. In diesen Fällen setzt Gonner gezielt auf den Voyeurismus, von Unzucht könne hier nicht gesprochen werden. Dann zählte der Rechtsanwalt einige Fälle auf, die seinem Mandanten vorgeworfen werden, die aber so nicht stehen bleiben dürften, denn einige Mädchen hätten keine Erinnerung daran, dass der Angeklagte sie im Intimbereich angefasst habe. Für den Strafpunkt Unzucht beantragte Maître Gonner deshalb Freispruch. Man könne auch nicht von sexueller Kinderausbeutung reden. Sein Mandant habe die Kinder nie sexuell ausgebeutet. Der Verteidiger stützte deshalb seine Argumente vor allem auf die Lanzarote-Konvention, die sich unter anderem auch mit der sexuellen Kinderausbeutung beschäftigt. Die Kriminalkammer könne Artikel 379 (sexuelle Ausbeutung) des Strafgesetzbuches nicht anwenden, weil sein Mandant nicht unter diesen Artikel falle, sagte Maître Gonner. Er beantragte hier einen Freispruch. Bei dem Lehrer gehe es nur um eine Verurteilung wegen Besitz von Kinderpornografie, sagte der Verteidiger. Maître Gonner verzichtete auf weitere konkrete Forderungen. Die Anwälte der Nebenkläger sind revoltiert: Das Leben der Missbrauchsopfer sei durch die Taten schwer beeinträchtigt. Manche Kinder litten noch heute darunter, die weiteren Folgen seien nicht vorhersehbar. Geht es nach der Staatsanwaltschaft, soll er lange ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft widersprach dem Antrag der Verteidigung, eine zweite Expertise zu beantragen. Alle Straftatbestände sind für die Staatsanwaltschaft erfüllt. Was die Verjährung angeht, sei durch ein „oubli du législateur“ im Gesetzestext ein Fall (2007) von Unzucht verjährt, sagte die Anklagevertreterin Manon Wies. Ihr laufe es kalt den Rücken herunter, wenn sie sich den Film anschaut, der im November 2018 im Prozesssaal gezeigt wurde. Ein erschwerender Umstand sei der Vertrauensmissbrauch gegenüber den Kindern. Der Lehrer sei eine Autoritätsperson, seine Autorität, seine Vaterrolle hätte er schamlos ausgenutzt. Wies habe den Eindruck, dass der Angeklagte immer noch nicht einsichtig sei, was seine Pädophilie angeht.

Der psychiatrische Gutachter hätte den Angeklagten als pädophil und als voll schuldfähig bezeichnet, sagte Wies - und forderte
zwölf Jahre Haft für den Lehrer. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ist aber nicht abgeneigt, dass ein Teil der Strafe mit Bewährungsauflagen ausgesetzt wird. Die Anwälte der Nebenkläger haben sich dem angeschlossen.


Das Urteil ist für den 21. Februar vorgesehen