Steuerliche Harmonie

Von Audrey SomnardLex Kleren Für Originaltext auf Französisch umschalten

Während Löhne unterschiedlich besteuert werden, unterliegen passive Einkommen allesamt geringerer Besteuerung. Doch welchen Zweck hat diese von der Politik ausdrücklich erwünschte Aufteilung?

Wenn du als Arbeitnehmer*in Geld verdienst, musst du auch Einkommenssteuern zahlen, die progressiv ansteigen, in Luxemburg zwischen 20 und 30 %, je nach Familienstand etc. Nehmen wir jedoch denselben Betrag, der in Aktien, Anleihen oder Fonds investiert wird, dann ist die Besteuerung viel milder. Dylan Theis, Wirtschaftsberater bei Improof, dem Think Tank der Arbeitnehmerkammer, stellt jedenfalls fest, dass die Regierung die Rentnerinnen und Rentner milder behandelt. Die "Luxembourg wealth study" (Studie über den Reichtum in Luxemburg) zeigt, dass 10 % der reichsten Haushalte mit über 90 % den Großteil der Investitionen des Landes besitzen. Eine ungleiche Konzentration, so der Berater: "Diese Zahlen bleiben in den letzten Jahren stabil auf einem hohen Niveau. Das sind Ungleichheiten, die man bei anderen Vermögensarten wie z. B. Immobilien nicht findet. Es gibt ein echtes Ungleichgewicht zwischen den Steuern, die von Arbeitnehmern und Kapitaleinkommen erhoben werden. Wenn Dividenden mit ca. 4% besteuert werden, Gehälter mit ca. 30%, Fonds und Aktien nach 6 Monaten nicht besteuert werden, ist es ein Wunsch der Regierung, diese Art von Investitionen zu fördern."

Das Problem für Dylan Theis ist jedoch, dass es die wohlhabenderen Haushalte sind, die einen breiteren Zugang zu diesen Investitionen haben: "Das ist eine Bevölkerung, die es sich leisten kann, Risiken einzugehen." Und, die steuerfreie Investitionen zu nutzen weiß, während der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin wenig Spielraum mit den Steuerbehörden hat: "Es gibt sehr wenig, was man absetzen kann, wenn man Arbeitnehmer ist." Für ihn verschärft diese Art von Vermögenswerten, die in den Händen einiger weniger konzentriert sind, die Ungleichheiten. Abgesehen von den psychologischen Barrieren, die mit den Risiken verbunden sind, und den recht hohen Gebühren für kleine Portfolios bei nicht sehr attraktiven Renditen, "beobachten wir, dass die Finanzanlagen in den Händen einer Minderheit bleiben. Im Jahr 2018 hatten 18,3 % der Haushalte Zugang zu dieser Art von Vermögenswerten, 2021 waren es 34,6 %. Ein Anstieg also, aber die wirklich großen Portfolios bleiben in der Minderheit. Das durchschnittliche Finanzvermögen liegt in Luxemburg bei 2,7 Millionen Euro für die 5% der Haushalte, die 82% der Vermögenswerte besitzen."

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